cut up no. 1

ich schmiegte mich an sie, doch sie wich zurück, holte aus und verpaßte mir einen schlag in die magengrube. mir wurde kotzübel, ich…

 

…ich bekam die tür nicht auf. irgendetwas klemmte. der mageninhalt machte sich schon auf den weg. mit aller kraft stemmte ich mich gegen die fahrertür. sie ging gerade so weit auf, dass ich mich übergeben konnte, ohne mich selbst zu treffen.

der gelbe schleim legte sich auf das taufeuchte gras. mit dem taschentuch wischte ich mir den mund ab und schaute mich um. im rechten winkel zur straße stand das auto mit mir, oder ich mit dem auto, egal, im graben. scheiße.

wie komme ich hier her? es war totenstill um mich herum. wie lange stand ich denn schon hier? wie spät wird es sein? wieso bin ich überhaupt alleine unterwegs? waren wir nicht zu dritt mit zwei fahrzeugen von zu hause aus losgefahren?

immer noch ziemlich verwirrt, kletterte ich aus dem kleinen fiat, darauf bedacht, nicht in meine kotze zu latschen. doch dadurch regte sich mein magen erst recht wieder, er zog sich zusammen. total verkrampft – so ’ne scheiße aber auch! – würgte ich unter irren schmerzen noch mehr von dieser üblen gelben soße hervor. mensch, soviel hatte ich doch gar nicht gesoffen, oder, dass ich so kotzen muß? was is’n blos los mit mir? wo ist vorne? wo hinten? wo oben und unten? alles drehte sich. ich spürte etwas kaltes, feuchtes, zuerst an den händen, dann im gesicht, dann am ganzen körper, ich lag voll flach. so war es mir unmöglich, aufzustehen, es war, als ob jemand auf mir lag und mich in die erde drücken wollte. der morgenhimmel begann sich über mir zu drehen, immer schneller; ich schloss die augen. langsam beruhigte sich alles um mich herum. da…

 

…da! jetzt höre ich sie lachend meinen namen rufen. ich liege hier am hang über dem fluß, an den ich mich so gerne zurückziehe, wenn ich alleine sein will.

langsam drehe ich mich um. ich traue meinen augen kaum! da kommt sie ja tatsächlich angesprungen. claudia. in ihrem weißen nachthemd mit den dünnen blauen querstreifen.

woher kann sie denn wissen, dass ich hier zu finden bin? sofort stehe ich auf, um ihr entgegen zu gehen, doch ich falle blitzschnell zurück.

ein stechender schmerz durchläuft meinen körper, alles wird schwarz….

 

bar.

  na ja, wir sind dort diesmal nur reingegangen, weil wir die zeit überbrücken wollten, bis der peter seine frühstückskneipe aufmachte, erich und ich bestellten uns jeder ein „gedeck“, also ein bier mit einem klaren, da das hier das billigste getränk war, und wir, wie gesagt, keine anderen absichten hegten. zudem hatten wir beide schon ganz schön wodka und whisky an diesem abend runtergeschüttet, waren also leicht angedudelt.

da kam doch schon die erste nutte angewackelt und versuchte, uns anzumachen. sie sah zwar nicht ganz so total abgeschlafft aus, wie die meisten der anderen, die wir hier schon aufgerissen hatten, aber wir wollten ja heute beide nur ein zwei bierchen runterziehen und ansonsten unsere ruhe haben, und so jagte ich sie in meinem besten suff-französisch zum teufel. beleidigt zog sie ab.

na dufte, jetzt ham’w’r uns’re ruhe, meinten wir. doch daneben getippt ! schon war die nächste da. anscheinend meinten die, wir waren heute nur auf einen bestimmten typ scharf, oder was weiß ich. also wieder in bester französischer manier die alte abgewimmelt.

aber die verstand anscheinend französisch, und war wohl etwas sauer wegen meiner üblen schimpfkanonaden, die ich auf sie abgefeuert hatte; jedenfalls kam die scheiße langsam zum kochen, so’n mickriger typ von zuhälter kam nun zu uns an den tisch und machte terror. er wollte uns irgendeinen scheiß verzapfen.

wir wollten unsre ruhe haben, verdammt aber auch! nachdem dieser heini sein sprüchlein aufgesagt hatte, packte ich ihn im sitzen an der nase und hob ihn ein kleines stück hoch. der kerl fühlte sich echt leicht an und so ließ ich ihn kurz ein wenig in der luft zappeln.

das aber wiederum gefiel anscheinend ein paar anderen von diesen zuhälter-deppen nicht so ganz, und kaum daß ich den einen losgelassen hatte, waren drei von denen an unserem tisch, also gut. wegen mir konnte der tanz jetzt losgehen! ich war richtig in stimmung.

erich war sehr schnell weg vom fenster. er war wohl auch heute nicht in bestform, na, immerhin waren drei typen nötig, um ihn aus der bude zu schleifen, ich natürlich sofort hinterher, um ihm zu helfen, als ich feststellte, daß ich im eifer des gefechts irgendwie meine tasche mit der tischdecke vertauscht haben mußte, also noch mal zurück, die tasche geschnappt und wieder richtung tür. doch da standen inzwischen drei von denen im weg. da sie so verdammt nah dran waren, machte ich erst mal kehrt, flankte über die bartheke, daß die gläser nur so klirrten, die bardame fing ein hysterisches gekeife an und rannte kreischend davon.

die drei waren verdammt schnell um den tresen herum und ich mußte schon wieder schauen, daß ich land gewinnen konnte, also die nächste flanke über die andere seite der bar. entweder bin ich da irgendwo hängengeblieben, oder weiß der teufel, was los war, jedenfalls stolperte ich und bevor ich wieder richtig auf den beinen stand, kamen die drei, oder waren es mittlerweile schon vier , auf mich gestürzt.

der mittlere, ein großer, bulliger gorilla, hielt einen schlagstock oder so etwas ähnliches in der rechten hand und holte damit aus. ich duckte mich. aber schon spürte ich einen wahnsinnigen schmerz über dem rechten auge. rasend vor wut und schmerz rammte ich diesem arsch den kopf voll in den bauch.

je eine faust rechts und links setzten die beiden anderen außer gefecht. mit meinen füssen stieg ich über den gorilla, der nach hinten weg kippte und spurtete los.

die frische luft draußen riß mich beinahe um. erich war weit und breit nirgends zu sehen, so rannte ich erst mal los, um hier wegzukommen. bei diesen typen weiß man ja nie, ob da nicht einer ’ne knarre locker in der hose trägt. in meinem suff lief ich den bullen voll in die arme. die sahen mein blutverschmiertes gesicht und wollten natürlich wissen, was mit mir passiert sei. da meine tasche und meine mütze nun doch in der bar verschütt gegangen waren, und ich sowieso eine mordswut auf die arschlöcher hatte, dort in dem puff, erzählte ich die story von wilden schlägertypen, die ohne ersichtlichen grund auf mich losgegangen wären und die mir meine tasche abgenommen hätten, wohl in der annahme, es könne sich geld darin aufhalten, was aber nicht der fall war. dafür aber meine wagenpapiere und der führerschein und so.

die polypen riefen einen krankenwagen, der mich in die klinik brachte. das nachtschichtpersonal dort empfing mich entsprechend mürrisch und nachdem sie erfahren hatten, was passiert sei, hörten sie überhaupt nicht mehr auf mit dem meckern.
mann gottes, als ich dann endlich mit dem bus zuhause ankam, war schon heller tag. erichs karre stand vor seiner tür. er war also vermutlich irgendwie nach hause gekommen, na prima!

kaum, daß ich in meiner bude ankam, klingelte auch schon das telefon. mein chef, für den ich mit ’nem kleintransporter in deutschland ‚rumkurvte, fragte mich, wo ich denn bliebe, ich legte die story auf, von wegen raubüberfall auf offener straße am späten abend und so, was ihn wohl sehr beeindruckte. er sah dann auch ein, daß mit mir heute nicht mehr zu rechnen war. er faselte sogar so etwas wie „gute besserung“ und so.

ich kippte noch’n rest rotwein runter, der irgendwo ‚rumstand und haute mich aufs ohr. bevor ich einschlief, zählte ich noch die nähte, die sie mir im krankenhaus verpaßt hatten, drei stück! das machte dann insgesamt inzwischen zweiundzwanzig am ganzen körper, wenn man nur die äußeren flickstellen zählt, was solls! meine hose ist auch schon öfters geflickt worden und hält immer noch!

also denn, gut‘ nacht!

© 1980, 2013 muck.

Eine Taube trägt schwarz

eine taube trägt schwarz

eine schweinelende flattert im wind

der kastanienbaum, an dem sie hängt,

trägt weiße blätter

eine Zitronenscheibe rollt in den graben,

eine rote spur zurücklassend.

eine eule humpelt vorbei,

den linken flügel in einer braunen schlinge.

die kühe auf der wiese

sie tragen grüne decken,

zur tarnung ?

ein blauer karpfen mit einem laib brot unter

der flosse stapft vorbei.

schwüle luft erdrückt den atem.