Entweihnacht

haferflocken am fenster

Schneeflocken im teller

der wind pfeift aus dem letzten loch

und du dir um die ohren

im feuer verglüht dein letztes geld

und du zählst im portemonnaie das holz

besoffene nacht

und du bist heilig

Er hat onaniert

und dir ist’s gekommen

im radio grölen sie: „so ein tag“

und du singst leise: „stille nacht“

die familien feiern heute allein

und nur du bist beisammen

die reichen sind hungrig

und du hast die bescherung

die Sekretärin geht leer aus

du aber bekommst deinen nerz

so gehst du auf erden

und es war friede im bett

aug‘ in auge mit gott

manchmal verschwinden die schatten und das licht bricht durch

vergessen das leiden, die krankheit, der tod.

das leben zeigt sich

von allen seiten –

vergänglich zwar,

doch wunderschön.

 

wie frei ist diese freiheit?

ausgetretene wege verlassen

hindernisse überwinden

unverbrauchte luft atmen

klares wasser trinken –

aug‘ in auge

mit gott sein.

 

-geschrieben im wunderschönen engadin vor vielen jahren-