ein mann sieht rot

  • Home
  • grün

    gelb

    rot

    halt !

    rotkäppchen

    halt !

    rotbäckchen

    halt !

    schneeweißchen

    und rosenrot.

    lieber rot

    als tot

    hellrot

    morgenrot

    dunkelrot

    abendrot

    rosarot

    rot ist die liebe

    rot ist das blut

    blutrot

    rot ist die glut

    glutrot

    rot sind die kirschen

    kirschrot

     

    rot sind die jusos

    knallrot

    rotchina

    rote rüben

    rote hüben

    rote drüben

    rote grütze

    rote beete

    rote gefahr

    rote augen

    rote nasen

    rote lippen

    rot.

    rot.

    rot.

    rot

    vor freude

    rot

    vor ärger

    rot

    vor scham

    rot

    vor wut

    rot

    aus Überzeugung

    rot

    wie feuer

    rot

    wie kirschen

    rot

    die glut

    rot

    wie blut

    rotation

    rote rosen

    rote hosen

    rote früchte

    rote früchtchen

    rotes licht

    rotlicht

    roter stift

    rotstift

    rote erde

    rot.

    unser tägliches

    rot

    gib uns heute.

    Ein Märchen von muck

    © 1983, 2015 muck

     

     

    Am Rande eines großen Waldes, ein ganzes Stück vom nächsten Dorf entfernt, lebte einmal ein Junge ganz allein in einem alten kleinen Haus. Seine Eltern und seine beiden Schwestern waren an einer seltsamen Krankheit gestorben. Sie hatten von einem Fremden, der von Dorf zu Dorf zog und Obst und Gemüse verkaufte, exotische Früchte erstanden, und nur der Junge aß als einziger nicht davon. Nachdem seine Familie beerdigt worden war, wollten Freunde des Vaters den Jungen bei sich aufnehmen, doch dieser weigerte sich, mitzugehen. Er sagte, er sei alt genug, um alleine zurechtzukommen. Und so ließ man ihn in Ruhe, nicht ohne ihm etwas Geld dazulassen, da er nichts hatte, außer ein paar Hühnern, einer Ziege und einem kleinen Stück Land mit einem Gemüse­garten und ein paar Apfel- und Birnbäumen.

    Wann immer er Zeit dazu hatte ging der Junge in den Wald und suchte Beeren und Pilze. Er wusste sehr wohl, welche man essen konnte und welche nicht. Das hatte ihm sein Vater beigebracht, als er noch lebte. Den Garten pflegte er gerade so, dass er genug Gemüse zum Essen hatte und mit dem Obst hielt er es genauso. Morgens fütterte er die Hühner und die Ziege, nahm sich die Eier aus den Nestern, melkte die Ziege und machte sich etwas zu essen. Danach legte er sich meistens zum Schlafen hinter das Haus.

    Eines Tages, der Junge hatte sich gerade hingelegt und wollte schlafen, hörte er eine wunderschöne Melodie vom Waldrand her. Er stand wieder auf und ging um das Haus herum. Da sah er hoch oben auf einem der Bäume einen herrlichen Vogel sitzen. Es war eine Nachtigall, von der heute noch gesagt wird, sie sei die Königin unter den Singvögeln. Der Junge konnte sich nicht satt hören an ihrem Gesang. Er stand regungslos da und lauschte der bezaubern­den Melodie, welche die Nachtigall von sich gab. Es war, als sänge sie nur für ihn allein.

    Nach einer Weile flog die Nachtigall ein Stück weiter, setzte sich auf einen anderen Baum und begann erneut mit ihrem Gesang. Der Junge schlich sich hinterher und blieb dann ganz in ihrer Nähe stehen, er war so begeistert von der Stimme dieser Sängerin, dass er alles um sich herum vergaß. Als der Vogel tiefer in den Wald flog, blieb der Junge nicht etwa stehen, nein er folgte ihm, immer darauf bedacht, genügend Abstand zu halten, er beobachtete, wie die Nachtigall an einem kleinen Bach einen Schnabel voll Wasser trank und er sah auch, wie sie fraß. Da fasste er den Entschluss, sie zu fangen und er hatte auch schon eine Idee, wie er das anstellen wollte. Da es mittlerweile schon spät geworden war, ging der Junge nach Hause, aß ein bisschen und begann als erstes einen Käfig zu bauen.

     

    Am nächsten Tag stand er schon sehr früh auf, fütterte schnell die Hüh­ner, molk die Ziege, trank einen Schluck Milch und baute den Käfig zu Ende. Nach ein paar Stunden war er soweit: Er hatte Holzstäbe mit Schnüren zusammen­gebunden, ein Brett als Boden daran befestigt, an der Seite mit kleineren Stäben eine Türe angebracht und fertig war ein nicht sehr schöner, aber recht stabiler Vogelkäfig. Dann holte er sich ein Netz, mit dem er früher Schmetter­linge gefangen hatte und machte sich auf den Weg in den Wald.

    Was der Junge unterwegs sich noch besorgte, um die Nachtigall anzulocken, wollen wir hier nicht verraten, denn wir wollen nicht, dass andere das versu­chen nachzumachen. Jedenfalls gelang es ihm, diesen Vogel wieder zu finden und ihn in die Falle zu locken, oder besser gesagt, ihn in dem Netz zu fangen. Der Junge brachte die Nachtigall nach Hause und sperrte sie in seinen selbst­gebauten Käfig.

    Von nun an verbrachte er den ganzen Tag nur noch damit den Gesang des armen Vogels anzuhören. Gut, er stellte jeden Morgen frisches Wasser und Futter in kleinen Schälchen auf den Käfigboden, aber er machte sich nicht im geringsten Gedanken darüber, wie der Vogel sich fühlen könnte.

    Ein paar Tage später kam der Junge auf die Idee, die Nachtigall brauchte einen schöneren Käfig und so nahm er alles Geld, das er noch hatte und ging in die Stadt. Das Geld reichte gerade, um einen Messingkäfig zu kaufen. Ein goldener wäre ihm lieber gewesen, aber dieser sah ja beinahe aus, als wäre er aus Gold und so kehrte der Junge mehr oder weniger zufrieden nach Hause zurück.

    Von diesem Tage an kümmerte sich der Junge fast gar nicht mehr um die Hühner und die Ziege und er ließ auch den Garten und die Obstbäume und über­haupt das Stück Land, das er noch hatte, verkommen. Für ihn gab es nur noch die Nachtigall und sonst nichts. Er merkte überhaupt nicht, was um ihn herum geschah und so hatte er bald so gut wie nichts mehr zu essen. Aber das störte ihn nicht. Er aß sowieso kaum noch etwas. So ging einige Zeit ins Land.

    Eines nachts dann, der Junge schlief ganz tief, erschien ihm die Nachti­gall im Traum und sprach zu ihm, er möge sie doch bitte wieder frei lassen, sie würde so gerne wieder umherfliegen. Sie müsste bald sterben, wenn sie noch länger im Käfig eingesperrt bleiben müsste. Wenn der Junge sie wirklich so sehr liebte, wie er immer sagte, dann müsste er sie verstehen und ihr die Freiheit schenken; sie würde auch ganz bestimmt ab und zu bei ihm vorbei­schauen und ihm ein Lied singen.

    Als der Junge am nächsten Morgen erwachte, ging er sofort zu dem Käfig und betrachtete lange Zeit den wunderschönen Vogel. Er wusste nicht so recht, was er tun sollte, aber nach einer halben Stunde etwa, öffnete er die Käfig­türe und ließ die Nachtigall frei. Sie flog aber nicht sofort davon. Zuerst setzte sie sich auf die Stange bei der Tür und sah den Jungen an. Ihm wurde warm ums Herz, er hatte das Gefühl, sie wollte ihm danken, für die wieder ge­wonnene Freiheit. Der Junge nickte ihr zu. Jetzt erst flog sie zum Waldrand hinüber und verschwand aus seinen Blicken.

     

    Sollte er traurig sein oder glücklich? Der Junge wusste es nicht genau. Erst als am nächsten Vormittag die Nachtigall wieder am Waldrand erschien und ihr Lied sang, freute er sich doch und war glücklich. •

    Von nun an kam sie immer wieder mal vorbei, zwar nicht jeden Tag, aber oft genug und irgendwie kam es dem Jungen so vor, als wäre es sogar besser, wenn sie nicht regelmäßig erschiene, denn dann war die Freude viel größer, als wenn er es jedes Mal vorher gewusst hätte.

    So vergingen einige Jahre. Aus dem Jungen war inzwischen ein junger Mann geworden und er hatte sich wieder ordentlich um seine Tiere und sein Land gekümmert; er hatte es sogar geschafft, ein bisschen Geld zu sparen und auch das Haus hatte er renoviert und hatte sich zu den Hühnern und der Ziege noch ein paar Kühe und einen Hund gekauft. Als der junge Mann sich eines Abends nach anstrengender Arbeit hinsetzen wollte, um zu essen – er hatte die Nachtigall ein paar Tage lang nicht gesehen – hörte er ihren Gesang, Voller Freude ging er zur Haustüre, um sie sehen zu können. Da stand plötzlich eine wunderschöne Frau vor ihm und sprach zu ihm:

    „Mein Liebster, erschrick nicht, ich bin es! Ich weiß jetzt, dass du mich wirklich liebst und bin gekommen, um für immer die Deine zu sein!“

    Der junge Mann war im ersten Moment schon etwas erschrocken gewesen, hatte sich jedoch schnell gefangen und antwortete mit strahlenden Augen:

    „Meine Liebste, ich weiß, es war ein großer Fehler, dich einzusperren. Ich war so angetan von Deiner Schönheit und Deinem Gesang. Ich wollte dich für mich alleine haben. Ich vergaß dabei, dass du Deine Freiheit brauchst, um glücklich sein zu können, der goldene Käfig und das gute Fressen waren nichts für dich. Die Freiheit, die Freiheit, dir die Nahrung selbst zu suchen, zu tun und zu lassen, was Du wolltest, dort zu sein, wo du sein wolltest, das war es, was Du brauchtest, um glücklich zu sein. Ich verspreche dir, nie mehr werde ich dich einsperren, nie mehr! Ich werde alles tun, um dich glücklich zu machen und wenn ich etwas tue, von dem ich glaube, es gefällt dir, werde ich vorher prüfen, ob du es auch wirklich willst. Bitte hilf mir dabei. Wenn ich einmal etwas tun sollte, von dem ich meine, es gefällt dir, obwohl dem nicht so ist, so sage es mir bitte einfach, ich werde es verstehen, auch ohne viele Worte, ich habe dich sehr lieb!“

    Die beiden verbrachten ein Leben voller Harmonie, beide genossen sie das Zusammensein und beide genossen sie es auch, wenn sie gelegentlich getrennt waren. Ihre Herzen waren immer beieinander. Sie hatten ein paar Kinder und wurden glücklich zusammen alt. Sie starben beide fast zur selben Stunde in völligem Frieden und umgeben von ihren Kindern und manch guten Freunden. Ihre Liebe, jedoch, überdauerte die Zeiten.

    Sicher leben sie beide jetzt immer noch in einer anderen Welt in Harmonie und Glück.

    manchmal

    manchmal,
    manchmal, da hab‘ ich einfach
    keine lust mehr

    nur so

    manchmal sogar
    völlig ohne grund

    was ist mit mir los?
    warum laß‘ ich mich so gehen?

    oder laß‘ ich mich gar nicht gehen?
    wohin laß‘ ich mich gehen?

    manchmal,
    manchmal erinnere ich mich an die zukunft,
    und dann bekomme ich angst,
    angst vor der vergangenheit.

    aber wirklich
    nur
    manchmal.

    manchmal fühl‘ ich mich wohl.
    und weiß gar nicht, warum !

    © 1980, 2014 muck.

     

     

    @MuckMayer

    Erinnerungen

    aufgewirbelt –

    Zufall oder Absicht?

    egal –

    sie sind da –

    hier – jetzt –

    Gedanken an Dich

    fliegen vorüber

    bleiben steh’n

    wo bist Du?

    was machst Du?

    wie wird’s Dir geh’n?

    weißt Du noch damals?

    Erinnerungen

    sie werden wach

    auf einmal

    nach langer Zeit

    ist es gut?

    ja, es ist!

    nicht in der Vergangenheit leben

    doch an sie denken, jawohl

    drauf aufbau’n

    das hab‘ ich getan

    warum kein wiedersehn?

    ja, warum denn nicht?

    Erinnerungen

    an Dich, Deinen Körper

    an Dein Gesicht

    an Deine Worte

    an Deine Taten

    an die gemeinsame Zeit

    wie lange ist’s her?

    zu lange? nein!

    gewiß nicht.

    ja, es hat sich geändert

    so manches seither,

    doch, nichtsdestotrotz

    es ist was geblieben

    von damals

    mit Dir!

     

    Selbst ist die Frau, selbst ist der Mann, selbst ist das Kind, selbst ist der Wert,

     

    selbst

    das Kind im Mann,

     

    selbst

    das Pferd!

     

    ohne selbst

    kein Wert!

     

    nicht billig

     

    und nicht teuer,

     

    und auch ohne

     

    Selbstwertsteuer.

     

     

    lieber treulos, als selbstwertlos,

    denn ohne selbstwert ist nichts los, nicht im Kopf

    und nicht im Schoß.

     

    ball

    ball spielfeldrand

    spielfeldrand ball Spielfeld

    Spielfeld ball netz

    netz ball Spielfeld

    Spielfeld ball spielfeldrand

    spielfeldrand ball Spielfeld

    Spielfeld ball netz

    netz ball Spielfeld

    Spielfeld ball spielfeldrand

    spielfeldrand ball

    aus!

    einwurf und von vorn

    (die zweite wiederholung wird rückwärts gelesen !)

    Ich sitze am Steg, Mann,

    rufe die Frau Stegmann an,

    doch da geht nur der AB ran,

    Mann!

    Wenn ich „Emma“ lese, sehe ich schwarz,

    wenn ich weiter lese, sehe ich Schwarzer.

    Habe ich ausgelesen, weiß ich: Alice!

    haferflocken am fenster

    Schneeflocken im teller

    der wind pfeift aus dem letzten loch

    und du dir um die ohren

    im feuer verglüht dein letztes geld

    und du zählst im portemonnaie das holz

    besoffene nacht

    und du bist heilig

    Er hat onaniert

    und dir ist’s gekommen

    im radio grölen sie: „so ein tag“

    und du singst leise: „stille nacht“

    die familien feiern heute allein

    und nur du bist beisammen

    die reichen sind hungrig

    und du hast die bescherung

    die Sekretärin geht leer aus

    du aber bekommst deinen nerz

    so gehst du auf erden

    und es war friede im bett

    manchmal verschwinden die schatten und das licht bricht durch

    vergessen das leiden, die krankheit, der tod.

    das leben zeigt sich

    von allen seiten –

    vergänglich zwar,

    doch wunderschön.

     

    wie frei ist diese freiheit?

    ausgetretene wege verlassen

    hindernisse überwinden

    unverbrauchte luft atmen

    klares wasser trinken –

    aug‘ in auge

    mit gott sein.

     

    -geschrieben im wunderschönen engadin vor vielen jahren-


    Scroll to Top
    %d Bloggern gefällt das: